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NABU Naturschutzzentrum Federsee
> Aktuell > aktueller Naturbeobachtungstipp

  Naturbeoachtung im November
Zauberhafte Nebelstimmungen und tierische Wintergäste


Im November hat sich die Natur auf den Winter eingestellt. Herbstnebel zaubern besondere Stimmungen auf die winterlichen Moorwiesen. Auf ihnen kann man abends und morgens oft Rehe beim Äsen beobachten. An nassen Stellen rasten Bekassinen, Wiesen- und Bergpieper. Kornweihen sind auf der Jagd nach Mäusen, abends versammeln sie sich an traditionellen Schlafplätzen.
Beim Spaziergang über den Federseesteg begegnen dem Naturfreund immer wieder kleine Schwärme von Bartmeisen, vor allem in den Vormittagsstunden. In der Dämmerung rufen Wasserrallen, und die letzten Stare versammeln sich zum Schlafen im Schilf.
Außerdem ist der Wasservogelzug voll im Gange: Verschiedene Entenarten (am häufigsten Stock-, Tafel-, Reiher-, Krick- und Schnatterente) sowie Höckerschwäne, Kormorane, Haubentaucher und Graureiher rasten auf dem See. Gänsesäger sind aus ihren Brutgebieten in der Taiga an den Federsee gekommen. Fast regelmäßig kann man weiße Silberreiher ausmachen, ab und zu einen Eisvogel - und mit Glück sogar eine Große Rohrdommel.
In den Moorwäldern fehlen die Zugvögel unter den Singvogelarten. Auch im Herbst und Winter bevölkern jedoch Kohl-, Blau-, Tannen-, Sumpf- und Weidenmeisen die Moorwälder, auch Kleiber, Wintergoldhähnchen, Rotkehlchen und Zaunkönig sind hier. Im morschen Holz abgestorbener Bäume findet der Buntspecht reichlich Insektennahrung.
 

  Kornweihen am Schlafplatz
Einer der seltensten Greifvögel überwintert am Federsee


Kornweihenweibchen - Jochen Dierschke
Zurzeit sind prominente Gäste zu Besuch am Federsee: Kornweihen, seltene Greifvögel, die regelmäßig im Federseeried überwintern. Sie kommen aus dem hohen Norden hier her. Der Federsee ist der bedeutendste Überwinterungsplatz für Kornweihen im südlichen Mitteleuropa. Teilweise bis zu 100 Tiere übernachten gemeinsam an traditionellen Schlafplätzen!
Die Männchen sind grau mit schwarzen Flügelspitzen, die Weibchen braun. Beide sind an ihrem typischen weißen Bürzel leicht zu erkennen. Der beste Beobachtungsstandort ist der Aussichtsturm des Federseestegs - häufig liegt der Schlafplatz nur einige Hundert Meter südöstlich davon. Ein weiterer Schlafplatz liegt in einer renaturierten Fläche im südlichen Federseeried. Dort wurden vor 15 Jahren im Rahmen eines EU-Förderprojektes wieder ausreichend hohe Moorwasserstände geschaffen.
 

  Das Moor lädt zu stimmungsvollen Spaziergängen ein
Zauberhafte Herbstnebel

 
„O schaurig ist´s, übers Moor zu gehen…“: So beginnt das wohl bekannteste Gedicht der Annette von Droste-Hülshoff. Von Phantomen und Dünsten ist die Rede, das Moor zischt und knistert – das war noch vor 150 Jahren die Vorstellung über Moore. Die Beziehung der Menschen zum Moor war geprägt von Aberglaube und einem mühevollen Kampf mit diesem Lebensraum. Jahrhundertelang wurden Moore entwässert, um ihnen Flächen für die Landwirtschaft abzugewinnen.
Heute sind etwa 95 Prozent unserer Moore zerstört, die verbleibenden Moorreste zu kleinräumig, als dass ein Verirren möglich wäre. Längst gibt es am Federsee stabile Holzstege – und dennoch: Wenn über den Wiesen die Herbstnebel wallen, die Moorbirken nur noch schemenhaft zu erkennen sind... dann bekommt man den Hauch einer Ahnung, wie unheimlich Moore den Menschen waren!
 

  Kormoran
Wintergast am Federsee

 Junger Kormoran
Nachdem er jahrzehntelang nur als seltener Gast auftauchte, gehört der Kormoran heute am Federsee wieder zu den regelmäßigen Durchzüglern und Überwinterern. Im September erscheinen die Kormorane aus ihren Brutgebieten. Bis Ende April sind sie dann vor allem auf den im Winter verwaisten Brutflößen der Flussseeschwalben zu sehen, wo sie nach Tauchgängen ihr Gefieder trocknen. Hier finden sie Ruhe und Schutz. Sie ernähren sich von den zahlreichen Kleinfischen des Sees. Allabendlich verlassen sie den Federsee, um an der Donau einen gemeinsamen Schlafplatz aufzusuchen.
 

  Gänsesäger sind zu Besuch
Auffällige Wintergäste aus dem hohen Norden am Federsee


Gänsesägermännchen - Dieter Haas
Einer der auffälligsten Vögel am winterlichen Federsee ist der Gänsesäger. Oft kann man ihn inmitten von Enten beobachten – Gänsesäger sind recht gesellig. Im Winter halten sie sich bevorzugt an fischreichen Seen auf. Ihre Hauptbrutgebiete liegen in der nordischen Taiga.
Die Männchen sind auffallend hübsch: der Körper überwiegend weiß mit einem zarten rötlichen Anflug auf der Unterseite, Kopf und Hals dagegen leuchtend schwarzgrün, die Schultern schwarz. Die Weibchen sind aschgrau mit rotbraunem Hals und Kopf.
Von Enten unterscheiden sie sich durch ihre schlankere Gestalt und den dünnen geraden Schnabel. Dieser ist vorne zu einem Haken gebogen und hat an den Seiten kleine Sägezähnchen - eine Anpassung an die Fischjagd, eine für Enten recht ungewöhnliche Ernährungsmethode!
Friert der Federsee zu, finden Gänsesäger hier keine Nahrung mehr und weichen auf offene Seen aus.
 

  Der Buntspecht
Holzhacker und Nussknacker


Buntspecht - Franz Mertens
In den Naturwäldern rund um den Federsee kann man viele Spechthöhlen entdecken. Wo Totholz nicht entfernt wird, finden die gefiederten Zimmerleute einen optimalen Lebensraum. Daher sind am Federsee verschiedene Spechtarten heimisch, z.B. Buntspecht, Schwarzspecht, Grünspecht und Grauspecht. Am häufigsten ist der Buntspecht. Im Sommer frisst er Insekten wie Ameisen, Blattläuse und Käferlarven sowie Spinnen. Vier Zentimeter weit kann er seine borstige Zunge hervor strecken und die Beute wie mit einer Harpunenspitze aufspießen. Im Winter frisst er vor allem Samen.
Mehr als jede andere Vogelart sind Spechte auf Holz angewiesen: Im Holz lebt ihre Nahrung, sie legen dort Vorratskammern, Schlafhöhlen und Kinderstuben an und verständigen sich per Holztelefon: Durch Klopf- und Trommelsignale. Ihre Bruthöhlen zimmern sie in stammfaulen Bäumen. Da Spechte jedes Jahr mehrere Höhlen bauen, sind sie die „sozialen Wohnungsbauer“ des Waldes. Verlassene oder halb fertige Spechthöhlen finden schnell dankbare Nachmieter: Meisen, Kleiber, Eulen, Hohltauben, Siebenschläfer, Wildbienen und Fledermäuse.
 

  Wasservögel rasten auf dem Federsee
Ideale Beobachtungsmöglichkeiten auch seltener Arten


Derzeit halten sich zahlreiche Wasservögel auf dem Federsee auf.
Im Oktober beginnt der Wasservogelzug, der im November sein Maximum erreicht. Verschiedene Entenarten rasten auf dem Federsee. Neben Stockenten kann man am häufigsten die braun-grauen Tafelenten und die weiß-schwarzen Reiherenten beobachten, daneben die zierlicheren Krickenten und die Schnatterenten.
Auch Höckerschwäne, Kormorane, Haubentaucher und Graureiher rasten auf dem See. Besonders hübsche Wintergäste sind die Gänsesäger: Sie brüten in der Taiga und überwintern hier.
Am Ufer sind fast regelmäßig schneeweiße Silberreiher zwischen ihren grauen Kollegen auszumachen. Mit etwas Glück kann man sogar eine Rohrdommel entdecken - eine echte Rarität!
 

  Exotische Silberreiher am See
Schneeweiße Gäste am Federseeufer


Bildquelle Franz Mertens
Im Herbst und Winter kann man am Federsee häufig größere Mengen schneeweißer Reiher beobachten: Silberreiher. Sie haben etwa die Größe eines Graureihers, sind aber schlanker und haben einen besonders langen Hals. Ihre reinweiße Farbe macht sie unverwechselbar.
Silberreiher sind keine Brutvögel am Federsee, jedoch im Winter und besonders zu den Zugzeiten regelmäßige Gäste. Häufig übernachten sie zu mehreren auf einer Insel am Nordufer des Sees an einem gemeinsamen Schlafplatz.
Beste Beobachtungsstandorte: Besucherplattform am Ende des Federseestegs (gegenüber liegendes Seeufer) sowie Aussichtsturm in der Mitte des Federseestegs (kanalabwärts, rechtes Kanalufer).
 

  NABU-Naturschutzzentrum Federsee
Federseeweg 6
88422 Bad Buchau
Tel: 0 75 82 / 15 66
Fax: 0 75 82 / 17 78
eMail:
Träger des Naturschutzzentrums
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Landesverband Baden-Württemberg
 

 

 

 
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